Skoliose bei Kindern und Jugendlichen: Ursachen, Symptome und Behandlung
Skoliose ist eine dreidimensionale Verformung der Wirbelsäule, bei der sich die Wirbelkörper seitlich krümmen, drehen und kippen. Typischerweise zeigt die Wirbelsäule C- oder S-förmige Krümmungen, die besonders während der Wachstumsphase im Kindes- und Jugendalter auftreten. Die häufigste Form ist die idiopathische Skoliose, bei der die genaue Ursache nicht bekannt ist, wobei genetische Faktoren eine Rolle spielen können.
Nicht immer verursacht Skoliose Schmerzen, daher sind sichtbare Anzeichen wie ungleiche Schulterhöhe, eine schiefe Taille oder ein Rippenbuckel und Lendenwulst besonders wichtig für die Früherkennung. Eine rechtzeitige Diagnose ist entscheidend, um eine Verschlechterung zu verhindern und geeignete Behandlungen einzuleiten.
Je nach Ausprägung können dies Physiotherapie, Korsettversorgung oder in schweren Fällen operative Maßnahmen sein. Eltern sollten deshalb aufmerksam auf mögliche Anzeichen achten und sich bei Fragen oder Unsicherheiten in einer Kinderorthopädie beraten lassen. Sprechen Sie mich bei Fragen gerne in meiner Praxis für Kinderorthopädie in Hamburg an.
Was ist Skoliose?

Skoliose bei Kindern ist, der Definition nach, eine dreidimensionale Verkrümmung der Wirbelsäule, die häufig während des Wachstums auftritt. Ab einer Seitneigung von 10 Grad (nach Cobb) wird von einer Skoliose gesprochen. Durch die dreidimensionale Deformität zeigt die Wirbelsäule spezielle klinische Veränderungen die dann als Rippenbuckel (oder Rippenberg), Lendenwulst im Lendenbereich oder eine Taillenasymmetrie zu erkennen sind.
Leichte Krümmungen der Wirbelsäule können normal sein. Eine frühzeitige Erkennung einer echten Skoliose ist jedoch wichtig, da die Behandlung – zum Beispiel Physiotherapie oder, in schweren Fällen, Korsettversorgung – das Fortschreiten der Skoliose verlangsamen oder verhindern kann.
Arten der Skoliose bei Kindern
Skoliose bei Kindern ist eine dreidimensionale Fehlstellung der Wirbelsäule, die durch eine seitliche Krümmung mit Rotation der Wirbelkörper gekennzeichnet ist. Sie kann in unterschiedlichen Lebensphasen auftreten und wird je nach Alter bei Erkrankungsbeginn und Ursache in verschiedene Formen eingeteilt.
Man unterscheidet im Wachstumsalter unter anderem
- die infantile Skoliose (Auftreten ab dem Säuglingsalter bis zum 3. Lebensjahr),
- die juvenile Skoliose (zwischen dem 4. und 10. Lebensjahr)
- sowie die adoleszente Skoliose, die während der Pubertät entsteht.
Bei Kindern kann eine Skoliose verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten ist die idiopathische Skoliose, deren genaue Ursache unbekannt ist, bei der genetische Veranlagung, ungleichmäßiges Wachstum und hormonelle Faktoren eine Rolle spielen.
Sie betrifft etwa 2–4 % der 10–16-Jährigen. Jungen und Mädchen sind gleich häufig betroffen, jedoch schreitet die Erkrankung bei Mädchen deutlich häufiger fortund erfordert etwa zehnmal häufiger eine Behandlung (Leitinie zur idiopathischen Skoliose, AWMF 2023).
Seltener entsteht Skoliose durch angeborene Fehlbildungen der Wirbel oder Rippen. Auch sekundäre Skoliosen kommen vor, z. B. durch neuromuskuläre Erkrankungen, genetische Syndrome, Stoffwechselerkrankungen oder Verletzungen.

Symptome der Skoliose

Typische Anzeichen einer Skoliose sind ungleiche Schulter- oder Beckenhöhen, eine asymmetrische Taille oder ein Rippenbuckel und ein Lendenwulst, die sich besonders beim Vorbeugen zeigen. Eine leichte Krümmung (Kyphose) im Bereich der Brustwirbelsäulekann normal. sein. Von einer krankhaften Kyphose spricht man, wenn die Krümmung übermäßig stark ist. Andere Erkrankungen der Wirbel, wie ein Rundrücken (Kyphose) oder eine Spondylolisthese (Wirbelgleiten), sind von der Skoliose klar abzugrenzen und stellen eigenständige Krankheitsbilder dar.
Eltern sollten auf bestimmte Symptome achten, die auf einen von Skoliose betroffenen Rücken hinweisen können. Zu den typischen Anzeichen für Skoliose gehören:
- Asymmetrische Schultern, Hüften oder Taillen
- Eine auffällige Steilstellung der Brustwirbelsäule (Lordose) im Bereich der Brustwirbel
- Rückenschmerzen, insbesondere bei Jugendlichen in der Pubertät
Eine sorgfältige Diagnostik ist entscheidend, um die Form der Skoliose korrekt einzuordnen und eine geeignete Therapie festzulegen. Bei frühzeitiger Erkennung und angemessener Behandlung können die meisten Betroffenen trotz der Krankheit ein uneingeschränktes Leben führen – auch als Erwachsene.
Unterschied zwischen Skoliose und Morbus Scheuermann
Skoliose und Morbus Scheuermann sind zwei unterschiedliche Wirbelsäulenerkrankungen bei Kindern, die oft verwechselt werden, weil sie beide sichtbar die Haltung verändern. Skoliose ist eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule, die zusätzlich mit einer leichten Drehung der Wirbelkörper einhergehen kann. Eltern erkennen sie häufig an ungleichen Schultern, einem schiefen Becken oder einem Rippenbuckel oder Lendenwulst, besonders beim Vorbeugen.
Ein Rundrücken (medizinisch: Hyperkyphose) bezeichnet eine übermäßige Krümmung der Brustwirbelsäule nach hinten. Normalerweise ist die Brustwirbelsäule leicht nach hinten gebogen – diese natürliche Krümmung nennt man Kyphose und sie ist völlig normal. Wenn die Krümmung deutlich stärker als üblich ist, spricht man von einem Rundrücken oder Hyperkyphose. Ein häufiger Grund bei Jugendlichen ist die wachstumsbedingte Verformung der Wirbelkörper, wie sie beim Morbus Scheuermann auftritt.
Meist betrifft die Skoliose die Brust- und Lendenwirbelsäule, und die Ursache ist in vielen Fällen nicht genau bekannt (idiopathisch). Morbus Scheuermann, auch juvenile Kyphose genannt, unterscheidet sich deutlich: Hier wachsen die Wirbelkörper durch eine Wachstumsstörung ungleichmäßig, wodurch die Wirbelsäule eine verstärkte Krümmung nach hinten bildet, den sogannten „Rundrücken“.
| Merkmal | Skoliose | Morbus Scheuermann |
|---|---|---|
| Art der Krümmung | Seitlich + Rotation und Neigung | Nach hinten (Rundrücken oder Hyperkyphose) |
| Sichtbare Form | „S“ oder „C“, Rippenbuckel und Lendenwulst | Buckel, Schultern nach vorne |
| Wirbelsäulenbereich | Brust- & Lendenwirbelsäule | Vor allem Brustwirbelsäule |
| Ursache | Meist unbekannt (idiopathisch) | Wachstumsstörung der Wirbelkörper |
| Therapie | Physiotherapie, Korsett, OP bei schwerer Ausprägung | Physiotherapie, Korsett, OP wenn stark ausgeprägt |
Diagnose von Skoliose

Die Diagnose einer Skoliose beginnt mit einer Untersuchung, bei der sich die seitliche Krümmung und Rotation der Wirbelsäule besonders gut zeigt, wenn sich das Kind nach vorne beugt (Adams-Test). Häufig ist die Wirbelsäule im Brustwirbelsäulenbereich konvex nach rechts und im Lendenwirbelsäulenbereich konvex nach links gekrümmt, was dazu führen kann, dass die rechte Schulter höher steht als die linke. Natürlich sind auch alle anderen Asymmetrien möglich.
Zur sicheren Beurteilung, Differentialdiagnose und Verlaufsdokumentation sind Röntgenaufnahmen der gesamten Wirbelsäule erforderlich. Dabei sollten Röntgenaufnahmen im Stehen in zwei Ebenen mit Darstellung der gesamten Wirbelsäule von einem Arzt oder einer Ärztin angefertigt werden. Des Weiteren wird die Rotation der Skoliose bei der klinischen Untersuchung mit einem Skoliometer nach Bunnell ausgemessen.
Bestimmung des Cobb-Winkels
Das Ausmaß der seitlichen Verkrümmung wird auf den Röntgenbildern mit dem sogenannten Cobb-Winkel bestimmt. Er dient als Grundlage für die Beurteilung des Schweregrades der Veränderungen sowie für therapeutische Entscheidungen. Eine frühzeitige und genaue Diagnostik ist entscheidend, um den Verlauf der Skoliose rechtzeitig zu erkennen und geeignete Behandlungsmaßnahmen einzuleiten.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung der Skoliose richtet sich nach dem Ausmaß der Verkrümmung, dem Wachstumsstadium des Kindes und dem Risiko eines Fortschreitens. Eine physiotherapeutische Therapie kann dabei ein Bestandteil der Behandlung sein. Ziel ist es, die Krümmung zu verbessern und einer Verschlechterung entgegenzuwirken.
Empfehlungen bei Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht
Übergewicht erhöht die mechanische Belastung auf das Fersenbein und verstärkt den Zug der Achillessehne auf die Wachstumsfuge des Calcaneus. Dadurch kann die Reizung der Fersenbeinapophyse zunehmen.
Zudem treten bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen häufig stärkere und länger anhaltende Fersenschmerzen auf. Veränderungen der Fußbiomechanik, wie ein Knick-Senkfuß, können die Belastung der Ferse in Wachstumsschüben zusätzlich verstärken.
- Belastungsreduktion bei Sport
- Dehnung der Wadenmuskulatur
- Fersenpolster oder Einlagen
- gut gedämpfte Schuhe
- langfristig auch Normalisierung des Gewichts, um die mechanische Belastung zu reduzieren
Verlauf und Prognose von Skoliosen
Der Verlauf einer Skoliose hängt maßgeblich vom Krümmungswinkel und der Wachstumspotenz ab. Grundsätzlich gilt: Je jünger ein Kind ist, umso größer das Risiko. Bei fast ausgewachsenen Patienten wird sich die Skoliose nicht mehr verändern. Krümmungen von mehr als 10 Grad werden dabei als klinisch relevant eingestuft und sollten regelmäßig kontrolliert werden.
Die Prognose wird von dem Krümmungsmaß und dem Alter der Patientinnen und Patienten beeinflusst. Eine Skoliose kann mild und stabil verlaufen. Eine frühzeitige Beobachtung und Verlaufskontrolle sind wichtig, um bei Bedarf rechtzeitig handeln zu können.

Fazit: Skoliose, Kinder und Behandlungsmöglichkeiten

Skoliose ist eine häufige Wirbelsäulenfehlstellung im Kindes- und Jugendalter, die vor allem während der Wachstumsphase auftritt. Entscheidend für einen günstigen Verlauf sind jedoch eine frühe Erkennung, eine regelmäßige Kontrolle und eine individuell angepasste Behandlung.
Während viele Kinder von konservativen Maßnahmen wie Physiotherapie profitieren, sind nur wenige Betroffene auf weitergehende Therapien angewiesen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, medizinischem Fachpersonal und den betroffenen Kindern trägt wesentlich dazu bei, körperliche und seelische Belastungen zu reduzieren und langfristige Einschränkungen bis ins Erwachsenenalter zu vermeiden.
Bei Fragen stehe ich Ihnen gerne in meiner Praxis für Kinderorthopädie in Hamburg zur Verfügung.
FAQ: Skoliose bei Kindern – von PD Dr. Sandra Breyer, Kinderorthopädin, Hamburg
Als Kinderorthopädin sehe ich Skoliose als eine seitliche Krümmung der Wirbelsäule mit Drehung der Wirbelkörper, die bei Menschen meist während des Wachstums auftritt. Die Krankheit kann bereits im Säuglingsalter beginnen oder sich bei Jugendlichen in der Pubertät entwickeln. Je früher wir Veränderungen in Abschnitten der Wirbelsäule erkennen, desto besser können wir ein Fortschreiten verhindern und die Lebensqualität Ihres Kindes erhalten.
Als Kinderorthopädin unterscheide ich zwischen verschiedenen Formen (definiert nach zeitlichem Auftreten):
- Infantile Skoliose: beginnt im Säuglingsalter
- Juvenile Skoliose: zwischen 4 und 10 Jahren
- Adoleszente Skoliose: ab 10 Jahre, meist idiopathisch (ohne bekannte Ursache)
Andere Wirbelsäulenfehlstellungen wie Hyperkyphose (Rundrücken oder „Buckel“) bei Morbus Scheuermann oder Spondylolisthese (Wirbelgleiten) gehören nicht zur Skoliose, auch wenn sie manchmal ähnliche Beschwerden, wie Rückenschmerzen oder Fehlhaltungen verursachen können.
Skoliose betrifft häufig die Brust- und Lendenwirbelsäule. Typische Anzeichen sind:
- Ungleiche Schulter- oder Beckenhöhen
- Eine asymmetrische Taille
- Rippenbuckel und Lendenwulst, der besonders beim Vorbeugen sichtbar wird
Wenn Sie solche Auffälligkeiten bei Ihrem Kind bemerken, empfehle ich eine frühzeitige Untersuchung, um den Verlauf genau zu beurteilen.
Die Therapie hängt vom Schweregrad der Krümmung und vom Alter des Kindes ab:
- Milde bis mäßige Krümmungen: konservativ mit Physiotherapie, Übungen für die Rückenmuskulatur und Haltung und gegebenenfalls Korsett
- Schwere Krümmungen (>40°): ggf. operative Stabilisierung
- Psychische Begleitung: Skoliose kann das Selbstwertgefühl beeinträchtigen; manchmal empfehle ich zusätzlich eine psychotherapeutische Unterstützung
Physiotherapie ist wichtig, weil Übungen die Krümmung im Idealfall aufrichten und ein Progress gegebenenfalls vermieden werden kann.
Typisch für den Rundrücken (juvenile Kyphose oder Morbus Scheuermann) ist eine Deformität im oberen Rücken, die Schultern fallen nach vorne, und meist sind bei Morbus Scheuermann die Wirbelsäulenabschnitte der Brustwirbelsäule betroffen. Ursache für Hyperkyphose (oder Rundrücken) ist eine Wachstumsstörung der Wirbelkörper, die bei Patienten häufig genetisch beeinflusst ist.
Tipps: Auch bei Morbus Scheuermann können Übungen aus der Physiotherapie, Haltungstraining und Korsett helfen, Veränderungen entgegenzuwirken; eine Operation der Wirbelsäule ist nur bei stark ausgeprägten Fällen von Morbus Scheuermann notwendig. Bei erwachsenen Patienten wird die Deformität der Brustwirbelsäule bei Morbus Scheuermann als „Adoleszentenkyphose“ bezeichnet.